Die Nordsandfjord-Höhle

Um der Nordsandfjord-Höhle einen Besuch abzustatten, folgt man der Straße von Hasvik, an Breivikbotn vorbei, nach Sandvika. Dort gibt es eine Informationstafel und einen Parkplatz. Der gekennzeichnete Pfad nach Nordsandfjorden führt durch gut begehbares Gelände über die Berge.


Norsandfjordhula
Copyright © 2003, Anne Olsen-Ryum

Man benötigt ungefähr eine Stunde Wanderzeit. Die Höhle liegt auf der Westseite des Fjordes, in unwegsamem Gelände und ungefähr einen Kilometer vom Strandabschnitt im innersten Teil des Fjordes. Vom Meer hinauf zum Eingang der Höhle sind es etwa 30 m. Bei Hochwasser  ist es nicht möglich, zu Fuß dorthin zu gelangen, achten Sie bitte deshalb unbedingt auf die Tidenverhältnisse! 

Der Höhleneingang liegt dem Meer zugewandt und kann ohne Hilfe eines Ortskundigen schwer zu finden sein. Es ist relativ einfach, sich im Eingangsbereich der Höhle zurecht zu finden, aber die Steine sind mit Tang bewachsen und daher glatt und rutschig, bitte seien Sie vorsichtig! Der Haupteingang ist etwa vierzig Meter lang, zwölf bis fünfzehn Meter breit und drei Meter hoch. Danach teilt sich die Höhle in T-Form. In der einen Richtung kann man ungefähr hundert Meter weiter gehen und in die andere Richtung sogar noch etwas weiter. Wenn man heute die Nordsandfjord-Höhle besucht, fällt es einem sehr schwer, sich vorzustellen, wie es ganzen Familien gelang, hier im Spätherbst 1944 zurechtzukommen… 

Die Evakuierung und systematische Zerstörung der Finnmark begann im Herbst 1944, nachdem der östliche Teil der Finnmark von den russischen Streitkräften besetzt worden war. Die Wehrmacht begann dann mit der Ausführung des Evakuierungsplanes und der Taktik der „verbrannten Erde". Zunächst wurde versucht, die Menschen freiwillig zum Verlassen ihrer Häuser zu bewegen, aber am 28. Oktober 1944 kam der Befehl zur Zwangsevakuierung.

Tausende von ungläubigen und vor Schreck wie gelähmten Bewohner der Finnmark wurden nach Süden verfrachtet, viele von ihnen sahen ihre Häuser in Flammen aufgehen. Auf Sørøya entging nur ein Gebäude den Flammen: die Kirche in Galten. 

Von der norwegischen Exilregierung in London kam die Aufforderung, sich zu verstecken. Man erwartete, daß auch der Rest der Finnmark innerhalb weniger Wochen befreit werden würde. Mit ihren tief ins Landesinnere reichenden Fjorden, steilen Berghängen und zahlreichen Felshöhlen bot die Insel Sørøya  unzählige Versteckmöglichkeiten. Die Menschen versteckten sich in Erdhütten und Bootsschuppen, Hütten und Felshöhlen und errichteten Nahrungslager. Von ihren Verstecken aus mussten sie hilflos zusehen, wie ihr Vieh geschlachtet und ihre Häuser niedergebrannt wurden. Im Jahr 1944 wohnten etwa 1650 Menschen auf Sørøya, von denen etwa 1100 zwangsevakuiert wurden, aber mehr als 500 Menschen versteckten sich. Nach einer Weile bekamen sie Gesellschaft von Einwohnern aus der Gegend des Sørøysundes sowie der Städte Alta und Hammerfest auf dem Festland. Insgesamt verbrachten 1100 Menschen den Winter 1944/45 in Verstecken auf der Insel! 

133 Menschen hatten Anfang November Zuflucht in der großen Höhle in Nordsandfjord gesucht. Die einzelnen Familien errichteten einfache Lager auf dem Boden der Höhle, unterteilt durch Steingiebel, Planen und Segeltuch. Im Eingangsbereich der Höhle wurde ein Plumpsklo errichtet (siehe folgendes Bild), etwas weiter davon entfernt ein Lagerplatz für Nahrungsmitteln, wo jede Familie ihren eigenen Bereich hatte. Das Essen wurde auf einem Petroleumkocher zubereitet — entsprechend war die Luft in der Höhle…Die sanitären Verhältnisse in der Höhle waren recht primitiv, obwohl Süßwasser aus einem Bach im innersten Teil des Fjordes geholt werden konnte. Während des Aufenthaltes in der Höhle kam ein Kind zur Welt, die Mutter und das Kind wurden von einer sich ebenfalls in der Höhle befindenden Hebamme betreut.


Toilettensitz in der Höhle
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Reste aus Kriegszeiten
Copyright © 2003, Anne Olsen-Ryum

Norsandfjordhula
Copyright © 2003, Anne Olsen-Ryum

Die "Freiheit" war nur von kurzer Dauer -nach nur knapp zwei Wochen lief ein deutsches Kriegsschiff in den Fjord ein, mit direktem Kurs auf die Höhle. Niemand zweifelt seitdem daran, daß ein „Ortskundiger" an Bord gewesen sein muß. Zwischen acht und zehn bewaffnete deutsche Soldaten gingen direkt auf den Höhleneingang zu und kommandierten die Höhlenbewohner heraus.