"Kveithaill"Früher, vor langer, langer Zeit, bevor es Fernsehen, Radio und aus Südnorwegen eingeflogene Zeitungen gab, waren die Menschen hier in Nordnorwegen Wind und Wetter und mussten daneben ihren eigenen Beobachtungen vertrauen und hieraus ihre eigenen Schlüsse ziehen, wenn es um das Überleben in dieser entlegenen Region ging.
Wie der Begriff kveithaill" eigentlich
zustande kam, ist all die Jahre lang hinter einem Schleier aus Scham verborgen
geblieben, den wir Nordnorweger entwickelt haben, ob man das nun glaubt oder
nicht. Man spricht offen und ehrlich über das meiste,
aber wenn ein Glückspilz auf See war und den lange ersehnten Heilbutt erbeutet
hat, weiß jeder sofort, was der Fänger die Nacht zuvor getrieben hat, ohne das
man die Akt... das näher beschreiben braucht. Ist der Fischer verheiratet, ist die Sache
eindeutig. Ist er aber ledig, braucht man nur darauf zu achten, welches Mädchen
errötet, sobald sich die Neuigkeiten verbreiten. So gesehen ist so manch'
weibliches Wesen in den Fischerdörfern Nordnorwegens errötet wie eine
frischgekochte Garnele, dies gilt sowohl heute als auch damals. Eine genauere Erklärung des Begriffes
kveithaill" kann ich hier nicht geben, ohne die Grenzen des Anständigen zu
überschreiten, aber wenn Du, lieber Leser, genauso ein scharfer Beobachter wie
die alten Nordnorweger bist, hast du sicher auch etwas Erfahrung mit haill"
und Anglerglück.... Ich behaupte jedenfalls, dass es viel mehr
Spaß bringt, diese Kunst auszuüben, als damit Zeit zu verschwenden, nur darüber zu reden. Alle, die nach Sørøya kommen, um ihr Glück mit
Rute (und Pilker) zu versuchen, sollten gut in der Kunst des haill" geübt
sein. Dann geht auch garantiert etwas an den Haken. Heilbutt, natürlich. Ich glaub', ich geh' schlafen. Der Alte soll
morgen auf See. Ich muss wohl etwas Einsatz für das morgige Mittagessen
bringen. Hab' richtig Lust auf - ja, genau....Heilbutt. |
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